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Ich muss sagen, mir kommt dieser Artikel ab einem bestimmten Zeitpunkt doch vor allem wie Werbung für deinen selbstgebauten KI-Bot vor. Vielleicht tue ich Dir da Unrecht, liegt vor allem an diesen icons und an der mehrfachen Wiederholung bestimmter Aussagen. Und ein ehrliches Feedback, wenn es nicht so wirken soll, ist vllt ja auch gut.

Als Lehrer mache ich die Erfahrung, dass das Problem mit KIs und Jugendlichen vor allem zweierlei ist: (1) Hausaufgaben oder Projektarbeiten werden nicht mehr gemacht, sondern in eine KI eingegeben. -- Wie gehst du mit diesem Problem um? Und (2) Kinder und Jugendliche verstehen nicht, warum sie bestimmte Dinge können sollen, wenn sie zu allem doch immer auch die KI befragen können. Das Problem war früher auch schon da: Warum soll ich Mathe lernen, wenn ich das später gar nicht brauche? -- hat sich meiner Wahrnehmung nach aber massiv verstärkt.

Auf die zusätzlichen Probleme, dass die Jugendlichen süchtig nach ihren Handys sind, und sich nicht mehr länger auf irgenetwas konzentrieren können, will ich jetzt gar nicht weiter eingehen. Wie siehst du diese Probleme?

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Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar – ich schätze kritisches Feedback sehr, vor allem wenn es so reflektiert formuliert ist wie deines. Du sprichst wichtige Punkte an, die nicht nur mich als Entwickler und Vater beschäftigen, sondern auch viele Pädagoginnen und Pädagogen. Ich gehe gerne auf alle deine Beobachtungen ein:

Zur Frage der „Werbung“ für meinen Bot

Du hast recht: Der Artikel stellt meinen selbstgebauten Bot ausführlich vor – und vielleicht wirkt das stellenweise wirklich werblich. Das war nicht meine Absicht im kommerziellen Sinn: Der Bot ist Open Source, steht unter MIT-Lizenz auf GitHub und kann frei verwendet, verändert und auch ohne meinen Namen betrieben werden. Ich verdiene daran keinen Rappen.

Was du da als „Werbung“ wahrnimmst, ist vermutlich mein Enthusiasmus. Ich programmiere seit über zwanzig Jahren, aber wenn ich etwas baue, das meiner Familie konkret hilft – und womöglich auch anderen Eltern, Lehrpersonen oder Schulen – dann teile ich das gerne. Dass ich es vielleicht etwas zu oft betont habe – fairer Punkt. Ich werde in künftigen Beiträgen darauf achten, die Balance zwischen Begeisterung und Distanz besser zu halten.

Zu (1): „Jugendliche machen keine Aufgaben mehr selbst, sondern fragen die KI“

Das ist ein reales und gut dokumentiertes Phänomen. Studien zeigen, dass der Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT vor allem bei schriftlichen Arbeiten rasant zugenommen hat. Bereits in einer Umfrage der Stanford University (2023) gaben 89 % der Studierenden an, bereits einmal generative KI für Aufgaben verwendet zu haben – viele davon ohne dies offen zu deklarieren.

Mein Umgang damit – auch als Vater und Dozent:

- Transparenz statt Verbot: Ich versuche meinen Kindern wie auch meinen Studierenden zu zeigen, wie man KI sinnvoll einsetzt – also z. B. als Tutor, nicht als Ghostwriter. Ich lasse zum Beispiel bewusst Aufgaben zu, bei denen KI helfen darf, aber reflektiert werden muss: Was war hilfreich, was falsch? Wie hast du die Antwort überprüft?

- Metakognition fördern: Jugendliche sollen nicht nur die Antwort übernehmen, sondern lernen zu hinterfragen: Ist das plausibel? Könnte es auch anders sein? Dafür baue ich gezielt Übungen ein, wo der Denkprozess wichtiger ist als das Resultat.

- Plagiatserkennung ist (noch) schwierig: Viele KI-Texte lassen sich nicht mit klassischen Tools wie Turnitin oder PlagScan erfassen. Aber wenn ich die Schüler:innen kenne, fällt auf, wenn ein Stilbruch oder eine untypisch komplexe Formulierung auftaucht. Dann frage ich nach – nicht vorwurfsvoll, sondern im Gespräch.

Zu (2): „Warum soll ich etwas lernen, wenn die KI es doch weiss?“

Auch diese Haltung hat sich verstärkt – und das nicht nur bei Jugendlichen. Das Phänomen nennt sich kognitive Offloading und wurde schon vor dem KI-Boom in Zusammenhang mit Google und Wikipedia untersucht. Der Mensch lagert Wissen gerne aus, wenn es jederzeit abrufbar ist. Das ist nicht neu – aber KI verstärkt es, weil sie „antwortet“, statt nur „Informationen bereitzustellen“.

Meine Perspektive dazu:

- Kompetenz ≠ Wissen: In der Schule geht es nicht nur darum, was man weiss, sondern wie man denkt. GPT kann eine mathematische Formel erklären – aber wer sie nicht selbst durchgerechnet hat, entwickelt kein Gespür für Struktur, Plausibilität oder Fehleranfälligkeit. Es ist wie beim Musikunterricht: Ein Instrument zu spielen ist etwas anderes, als nur zu wissen, wie es funktioniert.

- Verstehenskompetenz ist unersetzlich: Studien (z. B. OECD, 2021) zeigen, dass tiefes Verständnis nachhaltiger ist als reines Faktenlernen. Wenn man verstanden hat, was z. B. ein Dreisatz ist, kann man später auch neue Tools besser hinterfragen und anwenden – inkl. KI.

- KI als Partner im Lernprozess: Ich plädiere für einen konstruktiven Einsatz: Die KI hilft beim Einstieg, bei der Erklärung oder als Diskussionspartner – aber nicht beim Ersatz von Lernen. Deshalb ist mein Discord-Bot auch so gebaut, dass man ihm Fragen stellen kann, aber keine fertigen Hausaufgaben kopieren soll. Ich würde in der Zukunft gerne eine Didaktik für den KI-Einsatz entwickeln, die genau das fördert.

Thema Konzentration, Handysucht und Reizüberflutung

Du hast es bewusst nur angedeutet – aber auch dazu gibt es solide Forschung. Die WHO klassifiziert exzessives Bildschirmverhalten bereits seit 2018 als potenzielles Gesundheitsrisiko. Studien wie jene von Jean Twenge (iGen, 2017) oder jüngst auch das JAMES-Panel (ZHAW, 2022) zeigen, dass sich die Fähigkeit zur Konzentration bei Jugendlichen messbar verändert hat – etwa durch ständige Benachrichtigungen, TikTok-Dopaminloops oder Multitasking.

Mein Zugang:

- Technologie nicht dämonisieren, sondern domestizieren: Wir können das Handy nicht „wegnehmen“ – aber wir können gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Regeln erarbeiten: Wann ist es okay? Wofür nutzen wir es? Wie können wir uns dabei gegenseitig helfen, fokussiert zu bleiben?

- KI kann auch helfen, Fokus zu trainieren: Das klingt paradox, ist aber real: Ich nutze GPT mit meinem Sohn auch mal als „Frage-Coach“, wenn er an einem Thema hängen bleibt. Statt sich in YouTube-Videos zu verlieren, fragt er gezielt: Wie kann ich besser konzentriert arbeiten? Oder: Hilf mir, das in 3 Schritten zu verstehen.

- Digitale Erziehung braucht Vorbilder: Ich selbst versuche, mein eigenes Bildschirmverhalten zu reflektieren. Wenn Kinder sehen, dass auch Erwachsene sich bewusst mit Mediennutzung auseinandersetzen, übernehmen sie diese Haltung eher. Der Discord-Bot ist nicht auf dem Handy meiner Kinder installiert, sondern läuft zentral. Das senkt das Ablenkungspotenzial.

Fazit – oder besser: Einladung zum Dialog

Deine Fragen treffen den Nerv der Zeit – vielen Dank dafür. Ich bin überzeugt, dass wir eine neue Balance zwischen Lernen, Technologie und pädagogischer Verantwortung finden müssen. Der KI-Bot ist dabei nur ein kleines Puzzlestück – aber eines, das ich transparent und verantwortungsvoll entwickelt habe. Wenn du magst, schau dir den Code an – vielleicht möchtest du ihn sogar mit deiner Klasse gemeinsam erweitern oder hinterfragen?

Wie setzt du in deinem Unterricht KI ein – oder grenzt du sie gezielt aus? Ich fände es spannend, im Dialog zu bleiben.

Herzliche Grüsse

Michael

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Also entweder ist diese Antwort von einer KI verfasst, oder Du hast perfekt gelernt, wie eine KI zu schreiben :) Ich weiß nicht, was von beidem ich besser fände, nichts für ungut.

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